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Life Lion Future Interview Playbook

Dieses Playbook ist ein praktisches Arbeitsdokument für zukünftige Life-Lion-Interviewvideos. Es basiert auf den vorhandenen Life-Lion-Transkripten, besonders den Interviewquellen aus videos/*/transcript.txt, den YouTube-Beschreibungen und der Kanalbeschreibung.

1. Ziel des Interviewformats

Life-Lion-Interviews sollen außergewöhnliche Lebensgeschichten so erzählen, dass Zuschauer:

  • den Menschen hinter dem Thema sehen,
  • den Weg durch Krise, Schuld, Leid, Zweifel oder Veränderung nachvollziehen können,
  • Hoffnung bekommen, ohne dass Schmerz verharmlost wird,
  • gute nächste Schritte finden, wenn sie selbst betroffen sind,
  • verstehen, welche Rolle Glaube, Gemeinschaft, Therapie, Vergebung oder Hilfe gespielt haben.

Das Format ist kein reines Talkformat, kein theologischer Vortrag, kein Krisen-Sensationsformat und kein Promi-Portrait ohne Tiefgang. Es ist am stärksten, wenn eine konkrete Lebensgeschichte auf eine größere menschliche Frage trifft.

2. Geeignete Kandidaten

Geeignet sind Menschen, bei denen mindestens mehrere dieser Punkte erfüllt sind:

  • Sie haben eine außergewöhnliche, klare Geschichte mit erkennbarem Wendepunkt.
  • Sie können chronologisch erzählen.
  • Sie sind bereit, auch schwierige Motive, Fehler, Scham oder offene Punkte zu benennen.
  • Sie haben eine heutige Perspektive: Was ist anders? Was bleibt schwer?
  • Ihre Geschichte enthält Hoffnung, Hilfe, Glaube, Vergebung, Verantwortung oder Transformation.
  • Es gibt genug Kontext, um zentrale Claims fair zu prüfen.
  • Sie können mit öffentlicher Sichtbarkeit umgehen oder werden ausreichend geschützt.

Vorsicht bei Kandidaten:

  • die nur einen sensationellen Claim haben, aber keine erzählbare Timeline,
  • die akut instabil sind,
  • die andere Personen schwer beschuldigen, ohne dass Schutz, Belege und rechtliche Risiken geklärt sind,
  • die nur Werbung, Reichweite oder Imagepflege suchen,
  • deren Geschichte medizinische, strafrechtliche oder therapeutische Claims enthält, die nicht sauber eingeordnet werden können.

3. Vorab benötigte Informationen

Vor dem Interview sollten mindestens diese Informationen vorliegen:

  • Name, gewünschter Anzeigename, Pronomen, Kontakt.
  • Kurzfassung der Geschichte in 5 bis 10 Sätzen.
  • Zentrale Timeline: Jahre, Alter, Orte, wichtige Ereignisse.
  • Beteiligte Personen und welche davon genannt werden dürfen.
  • Welche Themen tabu oder nur vorsichtig ansprechbar sind.
  • Öffentliche Quellen, Links, Social-Media-Profile, Presse, Bücher, Podcasts.
  • Vorhandene Dokumente oder Belege, falls relevant.
  • Aktueller psychischer und körperlicher Zustand.
  • Therapie-/Seelsorge-/Begleitstruktur bei sensiblen Themen.
  • Rechtliche Risiken: laufende Verfahren, Schweigepflichten, Namensschutz.
  • Wunsch des Kandidaten: Warum jetzt, warum öffentlich, was soll das Video bewirken?

4. Intake-Fragen für neue Kandidaten

  1. Was ist die Geschichte, die du erzählen möchtest?
  2. Warum möchtest du sie öffentlich erzählen?
  3. Was ist der wichtigste Satz, den Zuschauer am Ende verstanden haben sollen?
  4. Wann beginnt deine Geschichte wirklich?
  5. Was war der Wendepunkt?
  6. Was war der tiefste Punkt?
  7. Welche Personen waren wichtig?
  8. Welche Namen, Orte oder Details dürfen wir nicht nennen?
  9. Gibt es Dokumente, öffentliche Quellen oder Menschen, die zentrale Punkte bestätigen können?
  10. Wo bist du heute in der Verarbeitung?
  11. Was wäre für dich nach dem Interview ein gutes Ergebnis?
  12. Welche Frage möchtest du auf keinen Fall gestellt bekommen?
  13. Welche Frage sollte unbedingt gestellt werden, auch wenn sie schwer ist?
  14. Welche Hilfe sollen wir Zuschauern verlinken, falls sie betroffen sind?

5. Recherche-Checkliste

Vor jedem Interview:

  • Titel/These der Geschichte in einem Satz formulieren.
  • Kandidaten-Timeline erstellen.
  • Öffentliche Quellen prüfen.
  • Zentrale Claims markieren: belegt, plausibel, unbestätigt, persönliche Erinnerung.
  • Risiken markieren: medizinisch, rechtlich, traumabezogen, theologisch, rufschädigend.
  • Fachbegriffe prüfen: Diagnose, Verfahren, Institutionen, Orte, Organisationen.
  • Gegenfragen vorbereiten, ohne den Gast zu überfallen.
  • Hilfsangebote und seriöse Quellen für Beschreibung/Einblendung sammeln.
  • Prüfen, ob ein ergänzendes Expertengespräch sinnvoll ist.
  • Sicherheitsplan für den Drehtag festlegen.

6. Interviewstruktur

Vor dem Gespräch

  • Vorgespräch führen, bei sensiblen Themen auch mehrere.
  • Grenzen schriftlich festhalten.
  • Einwilligung zu Namen, Bildern, Dokumenten, Angehörigen und heiklen Details klären.
  • Abbruchsignal vereinbaren.
  • Klären, ob eine Vertrauensperson am Set sein soll.
  • Für Trigger-Themen Pausen und Nachbetreuung einplanen.
  • Dem Gast erklären, dass Nachfragen nicht Misstrauen bedeuten, sondern saubere Erzählung.

Während des Gesprächs

  1. Warm starten: Ankommen, Beziehung, einfache Gegenwartsfrage.
  2. Host-Framing kurz halten.
  3. Biografisch öffnen: “Wo fing das an?”
  4. Chronologisch führen.
  5. Bei jedem Wendepunkt vier Ebenen abfragen:
    • Was ist passiert?
    • Was hast du gedacht?
    • Was hast du gefühlt?
    • Was hast du getan?
  6. Bei Unklarheit konkretisieren: Alter, Ort, Zeitraum, beteiligte Personen.
  7. Bei Claims trennen: “Was weißt du sicher?” und “Was vermutest du?”
  8. Hoffnung erst dann vertiefen, wenn die Krise verstanden ist.
  9. Heutigen Zustand realistisch abfragen.
  10. Mit Botschaft, Hilfe und Dank abschließen.

Nach dem Gespräch

  • Direkt nach dem Dreh mit Gast debriefen.
  • Bei sensiblen Aussagen prüfen, ob Namen/Details anonymisiert werden müssen.
  • Quellen und Hilfslinks ergänzen.
  • Schnitt auf Würde prüfen: Wird der Mensch ganz sichtbar?
  • Bei schweren Themen ggf. O-Töne entfernen, die retraumatisieren oder unnötig detailliert sind.
  • Vor Veröffentlichung heikle Fakten, Namen und Schutzfragen erneut prüfen.

7. Fragenkatalog nach Themenblöcken

Einstieg

  • Wie würdest du dich jemandem vorstellen, der dich noch nicht kennt?
  • Wenn du deine Geschichte in einem Satz beschreiben müsstest, welcher wäre das?
  • Wo müssen wir anfangen, damit man dich versteht?
  • Wie sah dein Leben aus, bevor alles gekippt ist?

Biografie und Umfeld

  • Wie bist du aufgewachsen?
  • Welche Menschen haben dich damals geprägt?
  • Was war in deinem Umfeld normal, was andere vielleicht ungewöhnlich finden würden?
  • Gab es frühe Warnsignale, die du erst später verstanden hast?
  • Wie würdest du dich als Kind/Jugendliche beschreiben?

Krise und Wendepunkt

  • Wann hast du gemerkt: Hier stimmt etwas nicht?
  • Was war der erste Moment, an den du dich ganz klar erinnerst?
  • Wie ging es dann konkret weiter?
  • Was war der Moment, in dem du dachtest: Jetzt geht es nicht mehr?
  • Hast du damals Hilfe gesucht?
  • Wer wusste davon?
  • Was hat dich am meisten verletzt?
  • Was war für andere sichtbar, und was hast du versteckt?

Innere Welt

  • Was hast du dir selbst eingeredet, um weiterzumachen?
  • Wovor hattest du am meisten Angst?
  • Welche Schuld- oder Schamgefühle waren da?
  • Gab es einen Satz, der sich eingebrannt hat?
  • Was konntest du damals niemandem sagen?

Glaube und Sinn

  • Welche Rolle hat Glaube vor dieser Krise gespielt?
  • Hast du Gott Vorwürfe gemacht?
  • Was war deine ehrlichste Frage an Gott?
  • Gab es einen Moment, in dem sich dein Bild von Gott verändert hat?
  • Was bedeutet Hoffnung für dich heute?
  • Was würdest du jemandem sagen, der nach deiner Geschichte fragt: Warum lässt Gott so etwas zu?

Hilfe, Therapie, Menschen

  • Wer war die erste Person, die dir geglaubt oder geholfen hat?
  • Welche Hilfe war wirklich hilfreich?
  • Welche Hilfe war gut gemeint, aber nicht hilfreich?
  • Gab es Therapie, Seelsorge, Beratung, Klinik, Streetwork, Polizei oder andere Stellen?
  • Was würdest du Betroffenen raten, die noch nicht reden können?

Authentizität und Konsistenz

  • Was weißt du sicher aus eigener Erinnerung?
  • Was weißt du aus Erzählungen anderer?
  • Gibt es Lücken in deiner Erinnerung?
  • Gibt es Dokumente, Nachrichten, Fotos, Akten oder Zeugen, die Teile der Geschichte stützen?
  • Wo würdest du selbst sagen: Das kann ich nicht beweisen, aber so habe ich es erlebt?
  • Hat sich deine Sicht auf die Ereignisse über die Jahre verändert?

Heute und Zukunft

  • Wie sieht dein Leben heute aus?
  • Was ist besser geworden?
  • Was ist immer noch schwer?
  • Was hast du über dich gelernt?
  • Gibt es etwas, das du heute anders machen würdest?
  • Was ist dein Wunsch für die nächsten Jahre?

Abschluss

  • Was möchtest du Menschen mitgeben, die Ähnliches erlebt haben?
  • Was sollen Angehörige verstehen?
  • Was sollen Menschen nicht mehr sagen?
  • Welche konkrete Hilfe empfiehlst du?
  • Was ist der eine Satz, den du den Zuschauern mitgeben willst?

8. Sensible Fragen

Diese Fragen nur stellen, wenn sie vorab abgesprochen und für die Geschichte notwendig sind:

  • Kannst du beschreiben, was genau passiert ist?
  • Gab es sexuelle Gewalt?
  • Gab es Suizidgedanken oder konkrete Pläne?
  • Gab es Täter, die heute noch Zugriff auf dich haben?
  • Gibt es laufende Verfahren?
  • Gibt es medizinische Unterlagen?
  • Wie sicher bist du dir bei dieser Erinnerung?
  • Was darf aus Schutzgründen nicht öffentlich werden?

Bei Missbrauch, Prostitution, ritueller Gewalt, Suizid, Krankheit und schweren Beschuldigungen gilt: Weniger Details können stärker sein, wenn sie den Menschen schützen und die Zuschauer nicht voyeuristisch in Gewalt hineinziehen.

9. Dramaturgie eines fertigen Videos

Empfohlene Kapitelstruktur:

  1. Cold Open mit stärkstem echten Satz.
  2. Host-Intro: Wer, Thema, Kernfrage.
  3. Kurzer Support-Hinweis.
  4. Leben davor.
  5. Erste Warnsignale.
  6. Eskalation.
  7. Tiefpunkt.
  8. Hilfe/Wendung.
  9. Glaube, Sinn, Vergebung oder Hoffnung.
  10. Heute.
  11. Rat an Betroffene/Zuschauer.
  12. Hilfsangebote, Dank, Ausblick.

10. Kriterien: Ist eine Geschichte stark genug?

Eine Geschichte ist stark genug, wenn sie diese Fragen beantworten kann:

  • Gibt es einen klaren Konflikt?
  • Gibt es eine nachvollziehbare Timeline?
  • Gibt es einen Wendepunkt?
  • Gibt es innere Entwicklung, nicht nur äußere Ereignisse?
  • Gibt es glaubwürdige Konkretheit?
  • Gibt es Hoffnung oder eine hilfreiche Erkenntnis?
  • Gibt es einen Grund, warum Life Lion diese Geschichte erzählen sollte?
  • Kann der Gast die Veröffentlichung tragen?
  • Können wir die wichtigsten Risiken verantwortungsvoll einordnen?

Wenn drei oder mehr dieser Punkte fehlen, sollte erst weiter recherchiert oder ein anderes Format gewählt werden.

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